“Räume” – 36. Duisburger Filmwoche | Kurzbericht

Das Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms hat eingeladen:

Räume – Duisburger Filmwoche 36

Ein kurzes Resümee vom 09/10.11.2012

2 Tage Duisburger Filmwoche

Jeder kennt das: eine tolle Veranstaltung, Party, Festival, Gesprächsrunde usw. ruft, aber persönliche Umstände, Arbeit oder Anderes schnüren die Möglichkeiten ein. Motivation arbeitet dann kontraproduktiv: sonst die treibende Kraft, nun der Grund für schlechte Stimmung und Unzufriedenheit. Glücklich die, welche einen Weg finden, motiviert den Ort des Interesses doch noch zu erreichen.

Also nur 2 Tage Duisburger Filmwoche. Besser als gar nichts. Ankunft am “Filmforum am Dellplatz” planmäßig 5 Minuten vor Beginn des neuen Werks von Harun Farocki – “Ein neues Produkt“. Die anschließende Diskussion mit dem Autor war erfrischend locker und unkompliziert. Keine anstrengenden Sprech- oder Denkpausen und munter-ironische Übernahme der im Film verwendeten Anglizismen, machten das Gespräch zwar nicht interessanter, aber Farocki und Moderator Constantin Wulff sehr sympathisch.

vom Alkohol und Psychosen gebrochen

Das anschließende 120-Minuten langes, dokumentarische Künstlerportrait Gerd Kroskes von Heino Jaeger mit dem Titel “Heino Jaeger – look before you kuck”, war zwar im zweiten Drittel etwas zu langatmig, insgesamt aber gelungen. Jaeger als Person und Künstler mit einem unglaublich bewegten Leben, wird durch zeitgenössische Medien, Super 8-Aufnahmen, Tonspuren etc. eindringlich erzählt. Das letzte filmische Bild Jaegers auf einer Vernissage, vom Alkohol und Psychosen gebrochen, geht wirklich unter die Haut.

Weder glorifizierend noch degradierend

Die Dokumentation “Neukölln-Aktiv” von Sabine Herpich und Gregor Stadlober, zeigte Jugendliche und Pädagogen der “Aktivierungsmaßnahme Neukölln-Aktiv”. “Du musst es selbst wollen”-Pädagogen treffen auf junge Männer die durch das deutsche Bildungssystem gefallen sind. Ehrlich, spannend und objektiv. Weder glorifizierend noch degradierend taucht die Kamera in diesen “Mikrokosmos” ab. Schade, dass der von Herpich und Stadlober verfasste Text für den Katalog zur Filmwoche deutlich stärker und klarer ist, als die schleppend langwierige Diskussion ohne nennenswerte Ergebnisse oder Beantwortung der Publikumsfragen.

Sven Zellner schafft mit seinem Dokumentarfilm “Preis des Goldes” einen gelungenen Schluss. Wunderschöne Aufnahmen und vermittelte Atmosphäre der Dokumentation treffen in der Anschluss-Diskussion spannende Geschichten um die Drehbedingungen, Gefahren und Erlebnisse des Regisseurs. Diese Geschichten liefert der Film nicht. Muss er auch nicht, denn die dokumentarische Ebene sorgt für den wahrscheinlich verdienten ARTE-Dokumentarfilmpreis.

560 km für 4 Filme und 3 Diskussionen haben sich eindeutig gelohnt!

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Beide Fotos (c) F.Kirchherr. Fragen & Hinweise bitte per Email