Studienarbeit “Noch keine acht”


Noch keine acht from Fabi Faloki on Vimeo.

„Noch keine 8“.

„Noch ist es nicht acht Uhr“. Mit Ausnahme der –mit bekanntem Tagesschau-Gong hinterlegten – Titelszene, wird es bis zum Schluss der Fount Footage-Arbeit auch keine acht Uhr mehr werden.

„Noch keine 8“ Versucht mit der Verknüpfung der Nachrichtensendung Tagesschau und acht Uhr zu arbeiten um  sich dabei mit der filmischen Schwierigkeit eine Zeit, die noch nicht ist, allein durch ein Bild dazustellen, zu beschäftigen. Ohne die informationsgebende Stimme bleibt das Bild / Abbild einer Uhrzeit eben diese und wird ohne filmischen / zeitlichen Zusammenhang nicht zum Bild einer noch nicht erreichten oder vergangenen Zeit. 18:30 Uhr kann als halb sieben oder achtzehn-uhr-dreißig gelesen werden, wird aber nicht als noch ist es nicht acht Uhr  verstanden.

Hier versucht die Found Footage-Arbeit „Noch keine 8“  anzusetzen. Die Betonung auf die Arbeit mit Archivmaterial wird im Prolog bereits deutlich. Während erklärt wird, dass einzelne Filmbeiträge zu einem langen Film zusammengeschnitten wurden, legt ein Mann ein Filmband in den Filmabtaster ein. Diese Szene stellt Parallelen zur eigenen Arbeitsweise mit Archivmaterial her.  Von der Filmstruktur, Format, Farbgebung und vom Inhalt der Szenen, insbesondere der Ausschnitt über ein Gespräch in einer Nachrichtenredaktion über das Passierscheinabkommen zwischen der BRD und der DDR, kann das Filmmaterial als historisch identifiziert werden. Eine aus dem Off erklärende Stimme formuliert Fragen: „Was können wir im Film zeigen und was nur im Wort melden[1]“? „Was ist wichtig“ und „Wie müssen wir es darstellen damit der […] Zuschauer es versteht“?

Im Hauptteil soll aber bewusst nicht versucht werden diese Fragen zu beantworten oder das Problem noch nicht erreichte Zeit nur das Bild einer anderen Zeit darstellen zu können gelöst werden. Vielmehr soll durch die Möglichkeiten der Montagearbeit mit Archivmaterial der Fokus auf die Frage / das Fragen durch Film gelegt werden. Die Ton-Information „noch ist es nicht 8 Uhr“ ist wie die Titelszene mit dem Tagesschau-Gong aus einer Dokumentation über den Entstehungsprozess einer Nachrichtensendung entnommen und dort aus dem Kontext klar als 8 Uhr abends  zu verstehen. Die Neuanordnung durch Schnitt und das Hinzunehmen einer Narration des sich im Hauptteil schlafsuchenden Mannes, kehren diese Information in ein zu erwartendes 8 Uhr morgens um.

Zeit spielt eine Rolle.

Nach der ersten Nachrichtensendung legt sich der Protagonist das erste Mal schlafen und wacht infolge dessen mehrmals durch die scheinbar auf seinem Fernseher laufenden Nachrichten auf, bevor er wieder einschläft. Im Hintergrund existiert ein Wecker. Auf ihm ist es nie 8 Uhr. Die Zeitangabe des Weckers läuft, trotz durch Ab- und Aufblenden, Schwarzbild und Überblendungen in der Filmlogik fortgeschrittenen Zeit zwischen den einzelnen Wachphasen, nicht logisch weiter.

Was wird noch passieren? Wann ergibt das Gezeigte einen Sinn in der Handlung? Zählt der Protagonist mit den Fingern die Zeit bis zur nächsten Tagesschau? In welchen Kontext sind die Informationen aus dem Fernseher wichtig? Welche Informationen und Handlungen müssen sich gemerkt werden?

-Fragen einer narrativen Ebene, die der Film nicht beantwortet. Wird hier eine Schein-Narration als (Platt-)Form der Fragestellungen etabliert oder wird entstehen die Fragen durch die Beschäftigung, die Montagearbeit, das Arbeiten mit Archivmaterial, das Anlegen einer neuen Narration, das De- und Neukonstruieren?

-Wie verhält sich der Hauptteil zu dem Wunsch ihm eine konkrete Antwort entnehmen zu können? Er bleibt diffus und kontrastiert damit den strukturell angelegten Epilog der sich allgemein wiederholenden Bilder von Informationsversprechen und die spezielle und an sich wiederholende informationsgebende Ton-Ebene: „Noch ist es nicht acht Uhr“.



[1] Anm.: „noch ist es nicht 8 Uhr“…